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Das Harlem-Projekt - Denkanstöße (Nr. 9)
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02.08.12 00:19
dlaniar 

Administrator

Das Harlem-Projekt - Denkanstöße (Nr. 9)

Denkanstoß Nr. 9 überreicht durch:
Projekt Eine andere Welt – wie denn?
Ein anderes Kassel – wie denn?
Treffen: In der Regel jeden 1. Samstag im Monat
Zeit: 9.30 bis 12.30 Uhr Ort: Querallee 40, Kassel

Ein Bremer Professor, Gunnar Heinsohn, sagt in der FAZ vom 17.3.2010, die Zahlung von Hartz IV solle auf fünf Jahre beschränkt werden. 1997 habe der damalige Präsident Clinton diesen Weg mit Erfolg beschritten.
Darf man, nur weil man eine Professur inne hat, so weit von der Wirklichkeit entfernt argumentieren?

Der jetzige Präsident Obama hat das Übel der mangelnden Bildungschancen benachteiligter junger Leute erkannt und ist dabei, die unten folgende Geschichte aus Harlem auf 20 weitere Städte in den USA zu übertragen.

Wer nicht über den Ozean schauen will, kann sich über die Schule für emotionale und soziale Entwicklung in Velbert schlau machen.
Dem überregionalen Blatt für schlaue Köpfe stünde es gut an, den Tunnel vor seinem Blick wegzuräumen und der uns umgebenden Realität den ihr gebührenden Raum zu geben.

Wir im Projekt haben uns an Verantwortliche beim Arbeitgeberverband, der HWK und der IHK gewandt, um mit ihnen unseren Gedanken- austausch fortzusetzen.

Zuletzt bearbeitet am 13.09.12 23:48

02.08.12 00:26
dlaniar 

Administrator

Harlem -1

The Guardian Weekly 14.08.09

Großbritannien muss nach Harlem schauen
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Jenni Russell

Ein Experiment in den USA zeigt, dass ein schrittweises Vorgehen in der Kindererziehung niemals den grundlegenden Wandel ganz unten bewirken wird

Ein Fünftel der 11-Jährigen in England kann nicht gut genug lesen, um in der Schule mitzukommen. Statistisch gesehen sind sie schon zum Scheitern verurteilt. Minister erklären, sie seien ratlos gegenüber der fortgesetzten Lernunfähigkeit von denen ganz unten. Was also kann das Vereinigte Königreich als nächstes tun? Das ist der Heilige Gral der Mitte-Links-Politik. Wie kann man verhindern, dass Kinder aus armen Verhältnissen endgültig behindert werden durch ihre Herkunft? Jenseits des Atlantiks denkt Präsident Obama, er habe die Antwort gefunden. Er plant, sie auf 20 weitere Städte der USA zu übertragen – und sie kommt aus einem einzigartigen Projekt in Harlem.
Die Harlemer Kinderzone (HCZ) ist ein äußerst ehrgeiziges Programm, das darauf zielt, die Leistungen und Zukunftsaussichten von 10000 Kindern zu verändern, die in einer der heruntergekommensten Gemeinden in den Vereinigten Staaten leben. Ein achtjähriger Junge aus Harlem hat eine 33-Prozent-Chance, im Gefängnis zu landen. Dreiviertel aller Schulkinder in Harlem bestehen die Aufnahmeprüfungen für ihre jeweiligen Klassen nicht. Ein Drittel der Schüler bricht die Schule vorzeitig ab. Die Arbeitslosigkeit ist doppelt so hoch wie im Durchschnitt.
Die Klarheit über diesen Sachverhalt veranlasste den Gründer des HCZ, Geoffrey Canada, seine Arbeitsweise zu revolutionieren. Canada war seit 1990 Gemeindeorganisator in Harlem gewesen, und er hatte es satt, einen Drogenabhängigen, einen Kriminellen, einen Schulversager zu retten um dann zuzuschauen, wie ein Dutzend anderer abrutschten. Es war ein radikaler Wechsel der Arbeitsansatzes nötig, und er meinte, zwei kühne Gedanken könnten die Grundlage dafür bieten.

Der erste war die Idee des Umschlagpunktes. In Harlem war die Armut so groß und die Kriminalität und der Drogengebrauch so weit verbreitet, dass nur die Kinder, die großes Glück hatten oder hinter denen starke Eltern standen, es vermeiden konnten, in diese Welt einzutauchen. Canada wollte die Zukunftsaussichten der gesamten Gemeinde gleichzeitig verbessern, so dass der regelmäßige Schulbesuch und die Vermeidung von Teenagerschwangerschaften ganz normale Verhaltensmuster werden würden.
Die jüngsten Ergebnisse der Hirnforschung besagen, dass sich ein großer Teil der kindlichen Lernfähigkeit in den ersten drei Lebensjahren entfaltet. Eltern in Mittelklassefamilien verbringen diese Jahre, um mit ihren Kindern zu reden, zu singen und ihnen vorzulesen. Arme Kinder erhalten nichts dergleichen. Vor allem waren die Kinder der Mittelklasse voller Selbstvertrauen, während die armen Kinder häufiger gemaßregelt als gelobt worden waren.

02.08.12 00:32
dlaniar 

Administrator

Harlem -2

Canadas Plan war einfach und umwerfend. Wenn er nur die Art und Weise ändern könnte, in der die Kinder in Harlem erzogen wurden, dann könnte er den Kreislauf der Hoffnungslosigkeit durchbrechen und ihre Zukunftsaussichten verändern. Er wollte eine Quelle der Leistungsfähigkeit schaffen, die vor der Geburt der Kinder wirksam würde: mit Elternkursen, die den Umgang der Eltern mit ihren Kleinen revolutionieren würden und die nach Abschluss des Schulbesuchs weitergehen würden. Es würde ein enges Sicherheitsnetz geben, zu dem Kindertagesstätten, höhere Lehranstalten, Tutorien, Tanz und Sport, Ernährungskooperativen, Sozialdienste sowie Haushalts- und Gesundheitshilfen gehörten.

Jedem Kind in der Zone würde Hilfe geboten, und die Zulassung zur Schule würde durch ein Losverfahren geschehen. Die gesamte Gemeinde würde mitwirken bei einem Projekt, das das Leben der nächsten Generation verwandeln würde. Canada sammelt mehrere Millionen Dollar – ein Drittel von der Regierung, zwei Drittel von Stiftungen. Die Kosten wurden auf 5000 Dollar pro Kind pro Jahr geschätzt.

Fünf Jahre, nachdem Canada die erste seiner Hoffnungsschulen eröffnet hatte, gleich zu Beginn mit Kindergarten und Klassen für 12-Jährige, hat eine Studie der Universität Harvard bewertet, was sie "eines der ehrgeizigsten Sozialdienst-Experimente unserer Zeit" nennt. Harvard kommt zu dem Ergebnis, dass in diesen gerade einmal fünf Jahren die Kombination von Gemeindeveränderung, Qualitätsunterricht und elterlicher Unterstützung "äußerst wirkungsvoll die Leistungsfähigkeit der ärmsten Minderheitskinder" gesteigert hat.

Das HCZ fängt da an, wo es wichtig ist, mit der Formbarkeit der Hirne kleiner Kinder und es versucht, in den Familien und in der Gemeinde, das zu bieten, was Kinder aus wohlhabenden Familien bereits bekommen – nachhaltige Aufmerksamkeit und nachhaltiges Interesse während ihres Lebens. Großbritannien, im Gegensatz hierzu, versucht es weiterhin mit kleinen Maßnahmen – wie zum Beispiel 'Sicherer Start' – die es den Familien für eine Reihe von Jahren bietet, sich aber dann zurückzieht. Das funktioniert aber nicht.
Die weitere Erkenntnis von Harlem besagt, Veränderungen dieser Art kosten. Qualität ist alles. Die Kindergärten haben eine Lehrkraft für je vier Kinder. Überträgt man dies auf andere Gemeinden, so wird das Milliarden kosten. Aber der mögliche Nutzen ist erstaunlich – die Steigerung der Leistungsfähigkeit von Kindern weit über das hinaus, was je für möglich gehalten wurde. Wenn wir nicht bereit sind, derartig ehrgeizige Projekte in Angriff zu nehmen, dann können wir nicht behaupten, wir wären überrascht darüber, dass die ärmsten Kinder einfach nichts leisten.

04.08.12 12:35
dlaniar 

Administrator

Das Thema interessiert mich ganz besonders

So lange so entsetzlich viele Menschen mit einer derartigen Wut im Bauch leben, dass sie sich an Kriegen beteiligen und noch viel mehr es hinnehmen, dass an vielen Orten der Welt Kriege stattfinden, ist es das wichtigste nach meiner Meinung, dass solche Projekte gestartet werden, die dazu führen, dass mehr Kinder lernen, wie wichtig es ist, dass sie auf der Welt sind und sie in die Lage versetzt werden, alle ihre Fähigkeiten zu entfalten und ganz besonders ihre emotionale Intelligenz.



Es erstaunt mich immer wieder, dass in den USA trotz all der Scheiße, die dort produzuiert wird, auch solche positive Projekte viel eher möglich gemacht werden als in Deutschland.

Darum wünsche ich mir, dass dieser Bericht möglichst weit verbreitet wird

Es ist dringend Zeit, das auch bei uns viel Geld in Projekte gesteckt wird, die breit angelegte Hilfe bringen für Eltern und Kinder

Es reicht wirklich nicht, wenn in den Nachrichten immer wieder Berichte kommen über übel misshandelte Kinder, und dann nichts anderes geschieht, als dass sich die Leute aufregen über solche "Rabeneltern" und deren Bestrafung fordern.

http://www.pachizefalos.de/Gewalt-Schmookler-2.html

Zuletzt bearbeitet am 11.09.12 12:11

05.08.12 10:31
dlaniar 

Administrator

Re: Denkanstöße (Nr. 9)

23.09.12 22:27
dlaniar 

Administrator

Kinder lernen, dass Konflikte okay sind

siehe auch:

http://www.pachizefalos.de/forum/thread....15&thread=6

Zuletzt bearbeitet am 24.09.12 12:04

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Hoffnungslosigkeit   Mitte-Links-Politik   Ernährungskooperativen   Aufnahmeprüfungen   heruntergekommensten   Mittelklassefamilien   Leistungsfähigkeit   Gesundheitshilfen   Arbeitslosigkeit   Minderheitskinder   Qualitätsunterricht   33-Prozent-Chance   Gewalt-Schmookler-2   Zukunftsaussichten   Teenagerschwangerschaften   Gemeindeveränderung   Arbeitgeberverband   Sozialdienst-Experimente   Gemeindeorganisator   Kindertagesstätten