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GRADIDO - Die Natürliche Ökonomie des Lebens- Buch von B. Hückstädt mit Bildern von R. Irmscher
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20.08.12 21:54
dlaniar 

Administrator

Der Staatshaushalt wird vollständig ohne Schulden finanziert. Es entfallen sämtliche Kosten, die im heutigen System noch für den Kapitaldienst aufzubringen sind. Es wird in Zukunft absolut keinen Grund mehr geben, warum ein Staat jemals Schulden aufnehmen sollte. Denn zum einen ist der Staatshaushalt bereits großzügig bemessen und zum anderen ist für Umweltschutz und Umweltsanierung noch einmal ein zusätzlicher Topf in der
gleichen Höhe vorgesehen.



Die dritte Geldschöpfung ist für die Sanierung und Bewahrung unserer Umwelt vorgesehen. Mit 1000 Gradido pro Kopf pro Monat ist der weltweite Umwelt-Haushalt so hoch, wie die Staatshaushalte aller Länder zusammen. Wie der Name schon sagt, hat der Ausgleichs- und Umweltfonds die Aufgabe, die ökonomischen und ökologischen Altlasten so gut es geht zu beseitigen und in Zukunft die Natur und Umwelt nachhaltig zu schützen.

Unter ökonomischen Altlasten verstehen wir in erster Linie die gravierenden Unterschiede zwischen den bisher armen Ländern und den reichen Industrienationen. Der Ausgleichs- und Umweltfonds hilft hierbei zusätzlich zu der ausgleichenden Wirkung, die die Natürliche Ökonomie des Lebens von Hause aus mitbringt. Die schnellstmögliche Beseitigung der Unterschiede zwischen Arm und Reich ist in erster Linie ein Signal des Friedens, denn sie zeigt die bedingungslose Bereitschaft der reichen Industrienationen, den Schaden wieder gut zu machen, den sie in der Vergangenheit angerichtet haben. Und weltweiter Frieden kommt neben den Menschen auch der Umwelt zugute.

Die langfristige Aufgabe des Ausgleichs- und Umweltfonds ist der nachhaltige Schutz von Umwelt und Natur. Umweltfreundliche Industriezweige, Produkte und Dienstleistungen werden subventioniert. Damit werden Bioprodukte deutlich preiswerter als umweltschädliche Produkte, die sich dann nicht mehr am Markt halten können. Nur noch
umweltfreundliches Wirtschaften wird sich rechnen. Bisher umweltschädliche Industriezweige erhalten Unterstützung bei der Umstellung.

Mit der dritten Geldschöpfung haben wir einen weltweiten Umwelt-Haushalt geschaffen, der die finanziellen Mittel zur Verfügung stellt, um wieder in Einklang mit der Natur zu kommen. Das kann allerdings nur funktionieren, wenn wir ein wichtiges Naturgesetz fest in unser Geld- Wirtschaftsmodell einbauen: den Kreislauf von Werden und Vergehen.



21.08.12 15:33
dlaniar 

Administrator






    »Hätten wir keine geplante Vergänglichkeit in unser Geldsystem eingebaut, gäbe es Inflation. Vergänglichkeit ist Naturgesetz. Inflation wäre also ungeplante Vergänglichkeit. Der Kreislauf von Werden und Vergehen macht Gradido zu einem selbstregulierenden System. Die Geldmenge ist stabil und kann nicht manipuliert werden. Sie pendelt sich automatisch auf den Wert ein, wo sich Geldschöpfung und Vergänglichkeit die Wage halten.«
    - Joytopia


Vom Atom bis zur Galaxie, alles in der Welt folgt Zyklen, alles entsteht und vergeht wieder. Allein die Dauer der Zyklen ist unterschiedlich. In der Natur begegnet uns dieser Kreislauf des Lebens immer und überall. Und auch in unserem täglichen Leben sind wir vielfältigen Zyklen unterworfen. Stundenzyklus, Tageszyklus, Wochenzyklus, Monatszyklus und Jahreszyklus sind die für uns wichtigsten Kreisläufe, die Freizeit und Geschäftsleben gleichermaßen beeinflussen. Alles Leben spielt sich innerhalb dieser Kreisläufe ab.

Und auch das Leben selbst kann gesehen werden als ein Kreislauf von Werden und Vergehen. Zwischen Geburt und Tod spielt sich das Leben ab. Manche Religionen sehen den physischen Tod als eine Neugeburt in die geistige Welt. In jedem Fall gehört der Tod zum Leben, das Sterben zur Geburt, das Ausatmen zum Einatmen. Kein Lebewesen kann nur einatmen. Niemand kann immer nur nehmen ohne zu geben. Doch im bestehenden Wirtschaftssystem will man immer nur Wachstum, ohne die damit verbundene Vergänglichkeit bewusst mit einzuplanen.

Aber der natürliche Kreislauf von Werden und Vergehen ist unausweichlich. Alle menschlichen Versuche, ihm zu entgehen, brachten nur den Tod. Um des Goldes wegen, das man als wertbeständiges Zahlungsmittel schätzte, wurden fast die gesamten indigenen Völker Amerikas kaltblütig ausgerottet. Die heutige Goldgewinnung richtet verheerende Umweltschäden an. Und auch der Versuch, wertbeständiges Geld zu schaffen, das sich möglichst noch mit Zinsen vermehrt, führt regelmäßig zu Katastrophen. Wir kennen sie als Wirtschaftskrisen, Finanzkrisen, Inflation, Geldcrash, Not, Hunger, Kriege und
Naturkatastrophen.

Wirtschaftskrisen, Not und Hunger..., das lässt sich noch leicht nachvollziehen. Doch was haben Kriege und Naturkatastrophen mit dem Geld-und Wirtschaftssystem zu tun? Sehr viel, um nicht zu sagen: alles!



Zuletzt bearbeitet am 12.11.12 09:10

21.08.12 15:36
dlaniar 

Administrator

Bei Kriegen geht es nie um die Wahrung der Menschenrechte oder um unterschiedliche religiöse Auffassungen. Derartige Themen dienen nur dazu, die Gemüter der Menschen anzuheizen und damit deren Zustimmung für einen Krieg zu bekommen. Bei ausnahmslos allen Kriegen geht es um wirtschaftliche Vorteile bzw. um Macht (was letztendlich dasselbe ist). Häufig geht es um den ungehinderten Zugang zu Erdölvorkommen. Und Erdöl – das schwarze Gold (!) – ist eines der größten Geschäfte der Welt. Deshalb werden echte Alternativen zum Erdöl noch immer unterdrückt. Neben der Öl-Industrie ist die Kriegsindustrie eine der umsatzstärksten Industrien weltweit. In einem Wirtschaftssystem, bei dem Wachstum an erster Stelle steht, muss natürlich auch die Kriegsindustrie wachsen. Sie benötigt dringend neue Absatzmärkte – und das bedeutet neue Kriege.


Kommentar des Moderators

Das glaube ich überhaupt nicht!

Die Hooligans, die ihren "Feldzug" im gegnerischen Stadion machen, brauchen keine wirtschaftlichen Interessen für ihre Gewalt-Exzesse.

Die Wut im Bauch, die den Schüler zum Amoklauf in seiner Schule treibt, muss überhaupt keine wirtschaftlichen Hintergründe haben.

Osama bin Laden stammte aus einer der reichsten Familien Arabiens. Seine Aktionen haben deren Reichtum nicht vermehrt.

Die chinesische Kulturrevolution war ein innerstaatlicher Krieg, bei dem wohl mehr als 2 Millionen Menschen getötet wurden. Aber auch dort ging es nicht um wirtschaftliche Interessen.










Der Hypnosedoktor Norbert Preetz erzählt dazu gern folgende Geschichte:





Zuletzt bearbeitet am 07.11.12 18:37

06.09.12 00:51
dlaniar 

Administrator

Kriege

Diesen Abschnitt füge ich erneut ein, weil der Kommentar so lang war und dadurch der Gedankengang des Buches unterbrochen wurde. Mein Einwand bedeutet ja nicht, dass ich in Frage stelle, dass die wirtschaftlichen Interessen allemal wichtiger sind als die vorgeschobenen Ideen.


Bei Kriegen geht es nie um die Wahrung der Menschenrechte oder um unterschiedliche religiöse Auffassungen. Derartige Themen dienen nur dazu, die Gemüter der Menschen anzuheizen und damit deren Zustimmung für einen Krieg zu bekommen. Bei ausnahmslos allen Kriegen geht es um wirtschaftliche Vorteile bzw. um Macht (was letztendlich dasselbe ist). Häufig geht es um den ungehinderten Zugang zu Erdölvorkommen. Und Erdöl – das schwarze Gold (!) – ist eines der größten Geschäfte der Welt. Deshalb werden echte Alternativen zum Erdöl noch immer unterdrückt. Neben der Öl-Industrie ist die Kriegsindustrie eine der umsatzstärksten Industrien weltweit. In einem Wirtschaftssystem,
bei dem Wachstum an erster Stelle steht, muss natürlich auch die Kriegsindustrie wach-sen. Sie benötigt dringend neue Absatzmärkte – und das bedeutet neue Kriege.

Naturkatastrophen

Naturkatastrophen werden zum Teil durch Umweltschäden ausgelöst. Und ob Naturereignisse katastrophale Folgen haben, hängt oft von menschen-gemachten Umständen ab.

Drei Beispiele aus der jüngsten Geschichte:


    Als am 26. Dezember 2004 der Tsunami die Ufer Südostasiens überrollte, riss er alles mit, was ihm im Weg stand. Mehr als 200.000 Menschen starben durch die Monsterwelle.
    Wären zuvor nicht so viele Korallenriffe und Mangrovenwälder an den Küsten zerstört worden, hätten sie die Wucht des Tsunami drastisch abgeschwächt, und viele Menschen wären noch am Leben. Die Korallenriffe fungieren als Wellenbrecher, Mangroven hem-men die Küstenerosion und bilden einen zweiten Puffer zur Bewahrung des Binnenlandes.
    Es ist wachsender Konsens unter Wissenschaftlern, Umweltschützern und Asiens Fischergemeinden, dass die Auswirkungen des Tsunami durch Tourismus, Garnelenzucht-farmen und andere industrielle Entwicklungen erheblich verschlimmert wurden. Denn sie haben die Mangrovenwälder, Küstendünen, Korallenriffe und Seegrasgebiete zerstört oder soweit degradiert, dass diese kaum noch Schutz vor der großen Flutwelle bieten konnten. Unser derzeitiges Wirtschaftssystem erzwingt Industrialisierung und Tourismus, um die Wirtschaft anzukurbeln und den Lebensstandard zu heben. Mit der Natürlichen Ökonomie des Lebens wäre dies nicht notwendig, denn durch die dreifache Geldschöpfung sind alle versorgt.

    Das Erdbeben in Haiti am 12.Januar 2010 hatte Stärke 7. Das Epizentrum lag etwa 25 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Haitis, Port-au-Prince. Die Gebäude waren so schlecht gebaut, dass sie zusammenfielen, wie Kartenhäuser. Schlimm traf es die Slums der Millionenstadt , da die Hänge, an denen sich die Hütten befinden, zum Großteil abgerutscht sind. Gemäß einer Einschätzung der Vereinten Nationen war die Ausgangslage wegen mangelnder Infrastruktur verheerender als die der Tsunami-Katastrophe 2004 im Indischen Ozean. Die Zahl der Toten wird auf 316.000 geschätzt. Haiti war bereits vor dem Erdbeben ein armes Land. Deshalb konnte man sich anscheinend keine bessere
    Bauweise leisten, die mehr Sicherheit bei Erdbeben bietet. Mit der Natürlichen Ökonomie des Lebens wäre Haiti ein wohlhabendes Land, wie alle anderen auch. Es gäbe keine Slums mehr, und man könnte sich stabilere Gebäude leisten, die Erdbeben besser standhalten.

    Das Erdbeben am 1.Februar 2012 in Tokio hatte auch die Stärke 7. Gebäudeschäden wurden nicht gemeldet. Japan ist eine reiche Industrienation, und die Japaner haben sich auf Erdbeben eingestellt. Dafür hatte sie am 11. März 2011 der Tsunami in Fukushima
    umso schlimmer getroffen, denn sie haben ihre Atomkraftwerke entlang der Küste gebaut. Alternative Energien hielten sie bis dato nicht für wirtschaftlich. Der Ausgleichs- und Umweltfonds hätte umweltfreundliche Technologien so stark subventioniert, dass Atom-energie unrentabel gewesen wäre. Damit wäre die schlimmste Atomkatastrophe in der Menschheitsgeschichte ausgeblieben.


Bei allen drei Ereignissen wären die Folgen längst nicht so schlimm ausgefallen, hätte man bereits die Natürliche Ökonomie des Lebens eingeführt, die dem Kreislauf von Werden und Vergehen folgt.

Zuletzt bearbeitet am 06.09.12 00:53

06.09.12 12:57
dlaniar 

Administrator


Doch kommen wir noch einmal zurück zu Not, Hunger und Durst. Jeden Tag verhungern 24.000 Menschen. Das sind jeden Monat mehr Tote, als die Opfer der drei oben genannten Naturereignisse zusammen. Gegen diese größte aller menschengemachten Katastrophen erscheint die Natur vergleichsweise gnädig.

Manchmal muss man etwas querdenken, um die direkten und indirekten Zusammenhänge zwischen dem heutigen Schuldgeldsystem und den katastrophalen Zuständen auf unserer Erde zu erkennen und sich dann für eine Natürliche Ökonomie des Lebens zu öffnen, die
systembedingt die Lösungen bringt.



Leben ist vergänglich, Tod ist beständig. Das ist die eine Seite. Andererseits gelingt der lebendigen Natur ein Kunststück, von dem die Ökonomen nur träumen können: Ewiges Wachstum auf begrenztem Raum. Dieses ewige Wachstum, dieses ewige Werden ist mit dem ewigen Vergehen untrennbar verbunden.

Der Kreislauf von Werden und Vergehen ist ein selbstregulierendes System. Er ermöglicht, dass die Natur ständig neue Lebewesen gebären und neue Produkte herstellen kann, wobei die Gesamt-Masse konstant bleibt. Die Selbstregelung bewirkt, dass sich das System automatisch auf den optimalen Zustand einpendelt, indem genauso viel in den Kreislauf zurückfließt, wie kreiert wird. Dieses einfache Prinzip ist universell anwendbar und funktioniert daher auch bei Gradido.

Schauen wir uns den Kreislauf bei Gradido an. Das »Werden« ist die dreifache Geldschöpfung von 3.000 Gradido. Das Vergehen beträgt 50 % im Jahr. Dies sind ungefähr 5% im Monat. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Guthaben regelt sich automatisch auf den Wert ein, bei dem die monatliche Vergänglichkeit gleich der monatlichen Geldschöpfung ist. Dies ist bei 60.000 Gradido der Fall, denn 5% von 60.000 sind 3.000. Würde sich das Guthaben erhöhen, dann würde die höhere Vergänglichkeit den Betrag herunterdrücken. Wird es niedriger, dann überwiegt die Geldschöpfung und drückt ihn wieder nach oben. Man spricht hier von einem stabilen Gleichgewicht, weil jede Abweichung aus dem
Normalzustand automatisch zurückgeregelt wird.

Das selbstregulierende System ist also ständig bestrebt, sich auf den Normalzustand von 60.000 Gradido Durchschnittsvermögen pro Kopf einzupendeln. Es sorgt permanent für einen sanften Ausgleich. Man kann sich diese Selbstregulierung vorstellen, wie eine Wasseroberfläche: es gibt zwar immer mal Wellen, aber auf Dauer bleibt der Wasserspiegel konstant.
Halten wir fest:


    • Die dreifache Geldschöpfung bildet zusammen mit der Vergänglichkeit ein selbst-regulierendes System, das die Geldmenge konstant hält. Die Geldmenge kann nicht verändert werden, weder durch Schulden noch durch Spekulationen noch durch irgendwelche anderen Manipulationen.

    • Der Kreislauf von Werden und Vergehen ist Naturgesetz. Wird dieses Naturgesetz nicht freiwillig in das Geld- Wirtschaftssystem integriert, so bekommen wir es unfreiwillig und schmerzhaft zu spüren – in Form von Wirtschafts- und Finanzkrisen, Inflation, Geldcrash, Not, Hunger, Krankheiten, Kriegen und Naturkatastrophen.

    • Da der Kreislauf von Werden und Vergehen als fester Bestandteil in der Natürli-chen Ökonomie des Lebens integriert ist, bleiben die oben genannten unfreiwilligen Formen der Vergänglichkeit aus oder werden zumindest stark abgemildert.

Die mathematischen Grundlagen für unser neues Geld- Wirtschaftsmodell haben wir nun herausgearbeitet. Nach dem Vorbild der Natur entwickelten wir ein selbstregulierendes System, das die Bedürfnisse des Dreifachen Wohls mit den nötigen finanziellen Mitteln ausstattet und seinen optimalen Zustand in einem stabilen Gleichgewicht hält. Wie können die Menschen für die Zukunft ansparen, und wie können größere Investitionen finanziert werden? Mit anderen Worten: wird es noch ein Kreditwesen geben? Wenn ja, wie sieht es aus?

Zuletzt bearbeitet am 06.09.12 13:01

06.09.12 16:23
dlaniar 

Administrator



»Wie könnt ihr große Beträge finanzieren, wenn das Geld vergänglich ist?« – »Durch Kredite. Beide Parteien haben ihren Vorteil dabei. Der Kreditgeber erhält zum vereinbarten Zeitpunkt sein volles Geld zurück. Hätte er keinen Kredit gegeben, wäre sein Geld durch die Vergänglichkeit weniger geworden. Der Kreditnehmer bekommt einen zinsfreien Kredit. Eine klassische WIN-WIN-Situation.« - Joytopia

Kredite und Geldanlagen muss es in jedem Wirtschaftssystem geben. Es gibt immer Zeiten, in denen man mehr einnimmt als man ausgibt und die Überschüsse für spätere Zeiten aufbewahren will. Umgekehrt gibt es Situationen, in denen man Geld benötigt, das man momentan nicht hat. In einem Geld- und Wirtschaftsmodell, das den Kreislauf von Werden und Vergehen von Anfang an integriert, muss dem Kreditwesen dafür eine besondere Beachtung geschenkt werden.

Wie immer lassen wir uns auch hier von der Natur inspirieren. Stellen Sie sich bitte zwei Bauern vor, die einen Naturalienkredit miteinander vereinbaren. Der eine Bauer, wir nennen ihn Franz, hat dieses Jahr Kartoffeln angebaut. Die Ernte ist gut, und er kann mehr ernten als er braucht. Die überschüssigen Kartoffeln würden mit der Zeit altern, und nach einem Jahr wären sie nur noch halb so viel wert, wie die gleiche Menge neuer Kartoffeln. Der andere Bauer, Paul, hat dieses Jahr keine Kartoffeln angebaut, braucht jedoch welche, um gut über den Winter zu kommen. Sie vereinbaren also, dass Franz dem Paul eine bestimmte Menge Kartoffeln gibt. Paul, der im kommenden Jahr Kartoffeln
anbauen will, verspricht dem Franz nächstes Jahr dieselbe Menge Kartoffeln zurückzugeben.

Welche Kartoffeln wird Paul zurückgeben, die alten runzligen Kartoffeln oder neue? Selbstverständlich gibt er neue Kartoffeln zurück. Denn zum einen hat er die alten Kartoffeln bereits verbraucht; und zum anderen hatte Franz ihm ja neue Kartoffeln geliehen und will selbstverständlich neue Kartoffeln zurückbekommen. Franz und Paul haben sich mit diesem Naturalienkredit eine WIN-WIN-Situation geschaffen. Franz, der Kreditgeber, konnte sich den Wert der frischen Kartoffeln erhalten, und Paul, der Kreditnehmer, bekam einen zinslosen Kredit. Kein Mensch würde bei diesem Beispiel auf die Idee kommen, dass Paul dem Franz eine andere Menge Kartoffeln zurückgeben müsse, als die, die er erhalten hatte.

Analog dazu funktionieren Kredite in der Natürlichen Ökonomie des Lebens. Der Kreditgeber gibt dem Kreditnehmer einen (voraussichtlich) zinslosen Kredit und erhält die gleiche Summe zum vereinbarten Zeitpunkt zurück. Zinsen sind zwar nicht verboten, aber da viele Leute ihr überschüssiges Geld erhalten möchten, wird das Kreditangebot so groß sein, dass Zinsen am Markt keine Chance haben werden. Möglicherweise wird es sogar negative Zinsen geben, d.h. der Kreditgeber erhält einen geringeren Betrag zurück, als er ausgeliehen hatte. Selbst dann hat er noch ein Geschäft gemacht. Denn wenn er das Geld nicht verliehen hätte, wäre es durch die Vergänglichkeit nach ein paar Jahren praktisch ganz weg gewesen.

Völlig neue Möglichkeiten für die Lebensplanung und -Gestaltung ergeben sich hierdurch. In jungen Jahren kann man sein Haus zinsfrei oder sogar noch günstiger finanzieren. Man kann für die Rente ansparen, um am Lebensabend mehr zur Verfügung zu haben, als nur das Grundeinkommen. Es können Sabbatjahre geplant werden, also Zeiten in denen man nicht arbeitet und dabei weiterhin einen hohen Lebensstandard genießt. Fir-mengründungen lassen sich mit geringem Risiko finanzieren. Kurzum: das Kreditwesen
schafft immer WIN-WIN-Situationen für alle.

Wie wird sich unser neues Geldmodell auf Lebensqualität, Arbeitsklima und Produktivität der Menschen auswirken? Davon handelt der nächste Abschnitt.




»Die Wirtschaft, insbesondere Kleingewerbe, Dienstleistungen und Kunst, floriert bei uns wie noch nie. Andererseits arbeitet jeder nur soviel, wie es ihm Spaß macht. Deshalb gibt es keine Überproduktion, die die Umwelt unnötig belastet«. - Joytopia

Wenn jeder das tut, was er liebt, wie wird sich die Lebensqualität ändern? Welche Auswirkungen sind zu erwarten auf das Arbeitsklima und auf die Produktivität? Wie zufrieden werden wohl die Kunden sein? Würde überhaupt alles produziert werden, was gebraucht wird? Und wer macht dann noch die Drecksarbeit?

Zuletzt bearbeitet am 06.09.12 16:23

06.09.12 17:28
dlaniar 

Administrator

Wer schon einmal ein gutes Persönlichkeitstraining oder Erfolgsseminar besucht hat, weiß, dass man nur dann wirklich erfolgreich werden kann, wenn man tut, was man liebt. Alle wirklich erfolgreichen Menschen tun, was sie lieben. Oder können Sie sich einen Klaviervirtuosen vorstellen, der keine Musik mag; einen Spitzensportler, der es hasst zu trainieren; einen Steve Jobs, der das iPhone doof findet; oder einen Papst, der nicht gerne betet? Nur wenn man tut, was man liebt, wird man es zu der Qualität und Produktivität bringen, die es braucht, um außergewöhnliche Leistungen zu erbringen. Wenn man tut, was man liebt, empfindet man seine Arbeit als Vergnügen. Mit großer Freude leistet man mehr, arbeitet länger und besser, bringt bessere Resultate. Auftauchende Probleme sieht man als willkommene Herausforderungen, sich selbst und die Qualität seiner Arbeit noch weiter zu entwickeln. Selbstverständlich ist man auch gerne mit seinen Kolleginnen und Kollegen zusammen, oder mit seinen Geschäftspartnern und Kunden; denn mit ihnen teilt man ja die gemeinsame Bühne, auf der man seine Lieblingsbeschäftigungen ausleben darf.

Wünscht sich nicht jeder Arbeitgeber derart motivierte Mitarbeiter? Und wünscht sich nicht jeder Mitarbeiter solch tolle Chefs? Freut sich nicht jeder Kunde über derart kompetente und kooperative Lieferanten und Geschäftspartner?

Mit der Bedingungslosen Teilhabe garantiert das Gradido-Modell allen Menschen, dass sie tun dürfen, was sie lieben. Menschen, die verlernt haben, zu spüren was sie lieben, erhalten wertvolle Unterstützung durch eine liebevolle Gemeinschaft, um ihr volles Potenzial zu entfalten. Da jeder mit der Bedingungslosen Teilhabe bereits versorgt ist, wird er darüber hinaus nur Arbeiten annehmen, die in Bezug auf Arbeitsklima, Sinnhaftigkeit und Freude dem Standard entsprechen, der durch die Bedingungslose Teilhabe vorgegeben ist. Potentielle Arbeitgeber und Auftraggeber sehen sich vor die Herausforderung gestellt, mit ihren Angeboten und Aufträgen diesen Ansprüchen zu genügen. Es wird also
nur noch Arbeit angeboten werden, die das Potenzial hat, geliebt zu werden.

»Ja, aber wer macht dann die Drecksarbeit?« – »Wer will dann noch putzen?« – »Wer geht dann noch zur Müllabfuhr?« – So oder so ähnlich höre ich Sie jetzt fragen. Lassen Sie mich diese Frage mit zwei Geschichten beantworten, die ich persönlich erlebt habe.

Während meiner Schulzeit kam einmal die Woche eine Putzfrau zu uns ins Haus – über viele Jahre lang immer dieselbe Dame. Nennen wir sie Frau Müller. An diesem Wochentag, ich glaube es war donnerstags, mussten wir Jungs die Ohren anlegen. Wir hatten allergrößten Respekt vor Frau Müller. Ihr Wort war Gesetz. Spielsachen, die wir nicht aufgeräumt hatten, fanden wir manchmal im Mülleimer wieder. Das passierte allerdings nicht oft, denn wir wussten, dass vor Donnerstag-Morgen um 8:00 Uhr alles aufgeräumt sein musste. Darauf hatten wir uns einzustellen.

Meine Eltern schätzten Frau Müller sehr, denn durch ihre Art brachte sie den Söhnen wenigsten etwas Ordnung bei. Ab und zu luden meine Eltern sie zum Abendessen ein. Können Sie sich vorstellen, dass Frau Müller ihre Arbeit liebte? Jeden Donnerstag-Vormittag war sie in unserer Familie die Hauptperson, der unangefochtene Chef. Sie hatte nicht nur ihre Arbeit im Griff, sondern auch die beiden Lausbuben. Und bei ihren Auftraggebern war sie hoch angesehen.

Etwa fünfundzwanzig Jahre später sprach ich in der Nachbarschaft mit einem jungen Mann. Er erzählte mir, dass er sich bei der Müllabfuhr beworben hatte. Der Job sei spitze: man ist den ganzen Tag an der frischen Luft, muss nicht denken dabei und wird gut bezahlt. Während seine Altersgenossen noch die Schulbank drückten oder in der Berufsausbildung steckten, hatte dieser junge Mann bereits ein gutes Einkommen und konnte sich die Dinge leisten, von denen junge Menschen so träumen: ein schickes Auto, eine gute Wohnung, Urlaub usw.

Ich weiß nicht, ob der junge Mann von damals auch heute noch bei der Müllabfuhr ist. Und wie es der Zufall will: gerade jetzt, wo ich dies schreibe, kommt draußen ein Müllauto vorbei. Man sieht keine Müllmänner mehr laufen. Doch ich kann einen großen Greif-Arm beobachten, der vom Fahrer gesteuert wird und die Mülltonnen selbstständig in den Container ausschüttet. Solch ein Müllauto zu fahren scheint ein recht angenehmer Job zu sein. Auch ich hätte meine Freude daran, dies ab und zu tun.

Was können wir daraus lernen? Zum einen sind die Auffassungen darüber, welche Arbeit Freude macht und welche nicht, von Mensch zu Mensch verschieden. Was der eine als Horror empfindet, kann dem anderen wie ein Traumjob erscheinen, besonders wenn er gut bezahlt wird. Außerdem werden immer mehr schwere Arbeiten von Maschinen erledigt, wie zum Beispiel der Greif-Arm an dem Müllauto.

06.09.12 20:42
dlaniar 

Administrator



Drecksarbeit oder Traumjob, das sind also nur individuelle Sichtweisen. Für jede Aufgabe gibt es auch Menschen, die sie gerne ausführen, wenn sie dafür aufrichtige Wertschätzung und gute Bezahlung erhalten. Das gilt auch für gefährliche Arbeiten. Es gibt Menschen, die das Abenteuer und die Gefahr suchen. Ein normales Leben wäre ihnen zu langweilig. Die Natur sorgt für alle, und sie sorgt auch dafür, dass für jede Herausforderung auch die Menschen da sind, die sich ihr stellen.

Eine wichtige Voraussetzung wird jede Arbeit erfüllen müssen, damit sich jemand findet, der sie tut: die Arbeit muss sinnvoll sein. Kaum jemand wird sich in Gefahr bringen oder unangenehme Dinge tun, wenn er darin keinen Sinn sieht. In der Natürlichen Ökonomie des Lebens ist das Geldverdienen nicht mehr der hauptsächliche Sinn und Zweck einer Arbeit. Geld ist kein Druckmittel mehr und schon gar nicht ein Machtmittel. Geld ist ein Motivationsmittel unter vielen geworden. Es kann nach wie vor Menschen motivieren, etwas zu tun, das sie ohne Geld nicht getan hätten. Aber es ist nicht mehr das einzige Motivationsmittel. Sinnhaftigkeit, Arbeitsklima, Freude, Spaß, Wertschätzung und Dank sind weitere Motivationsfaktoren, die stimmen müssen. Allen gemeinsam ist, dass sie die Lebensqualität aller Beteiligten heben. Sie dienen also dem Dreifachen Wohl: dem Wohl des Einzelnen, dem Wohl der Gemeinschaft und dem Wohl des großen Ganzen.

In solch einem tollen Arbeitsklima bringt man gerne gute Leistung, besonders wenn man seinen Verdienst frei von Abzügen genießen kann.



Freiheit von Steuern und Pflichtversicherungen

    »Gibt es weitere Vorteile?« –
    »Alle Pflichtabgaben fallen weg: Steuern, Krankenkasse, Rentenversicherung...«
    – Joytopia


In einer Zeit, wo ständig von Steuererhöhungen die Rede ist und von der Kostenexplosion im Gesundheitswesen, ist es schwer vorstellbar, dass die Natürliche Ökonomie des Lebens vollständig ohne Pflicht-Abgaben funktioniert. Das Gradido-Modell bietet ein perfektes Gesundheits- und Sozialwesen, ganz ohne Krankenversicherung, Rentenversicherung, Pflegeversicherung und sonstige Abgaben, die sich heutzutage ein Staat so einfallen lässt. Und steuerfrei ist es obendrein.

Das Wort »Freiheit« hat in unserem Sprachgebrauch mehrere Bedeutungen. Eine davon ist kostenfrei, ohne Bezahlung, geschenkt, also »frei wie Freibier«. Eine weitere ist frei verfügbar, für jeden zugänglich, wie freies Wissen oder freie Software. Wieder andere Bedeutungen beziehen sich auf die Freiheit von Menschen oder Tieren. Freiheit kann auch die Freiheit von Belastungen bedeuten, zum Beispiel »angstfrei« oder »steuerfrei«, oder die Freiheit von Grenzen.



Freiheit, die man noch nicht kennt, macht uns manchmal Angst. »Wo kämen wir denn hin, wenn jeder frei wäre das zu tun, was er will?« – So gesehen ist Steuerfreiheit und die Freiheit von Abgaben ein heikles Thema. Denn sie berührt unsere Ur-Ängste. Es ist im Wesentlichen die Angst vor dem Unbekannten, die uns zaudern lässt. Freiheit bringt das Risiko mit sich, seine vermeintliche Sicherheit zu verlieren.

Alles, was wir bis jetzt über die Natürliche Ökonomie des Lebens gelernt haben, zeigt uns eindeutig, dass Freiheit und Sicherheit keine Gegensätze sein müssen. Gegensätze sind sie nur im alten System. Denn das alte System funktioniert nach dem Nullsummen-Prinzip. Doch das alte System ist an sein Ende angelangt. Wenn wir es weiterführen, werden wir weder Freiheit noch Sicherheit erleben, sondern den Untergang der Menschheit.

In der Natürlichen Ökonomie des Lebens lösen sich viele alte Gegensätze auf. Sie ermöglicht uns maximale Sicherheit bei maximaler Freiheit. Sie befreit uns von Steuern und Abgaben und versorgt uns mit der Sicherheit eines optimalen Gesundheits- und Sozialwesens, sowie mit einem funktionierenden Staat, der sich als die Gemeinschaft aller Bürger versteht und deshalb auch ihre Interessen vertritt.

Möglich gemacht wird diese Freiheit durch den Kreislauf des Lebens, den Kreislauf von Werden und Vergehen. Er ermöglicht dem Staat, sein Geld selbst zu schöpfen, ohne Inflation zu verursachen. Dadurch, dass wir die Naturgesetze freiwillig beachten und in das Gradido-Modell einplanen, gewinnen wir beides: Sicherheit und Freiheit.




In der Computerbranche, insbesondere bei der Software-Programmierung ist schon seit Jahren eine sehr erfreuliche Entwicklung festzustellen: Freie Software, die Open Source Bewegung. Ihre Idee ist einfach: Ein Programmierer stellt seine Entwicklung der ganzen Entwicklergemeinde frei zur Verfügung.

06.09.12 23:30
dlaniar 

Administrator

Jeder darf seine Software benutzen, ändern, und weiter entwickeln unter der Bedingung, dass der Urheber namentlich genannt wird und
dass die darauf aufbauenden Entwicklungen ebenfalls unter den gleichen Bedingungen der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden. Großartige Software ist so schon entstanden. Der größte Teil des Internets basiert auf Open Source Software, allen voran das Betriebssystem Linux, auf dem heutzutage die meisten Internet-Server laufen.

Auch auf anderen Gebieten setzt sich Open Source durch: Open Content für freie Inhalte in Wort und Bild zum Beispiel. So auch dieses Buch. Es steht unter einer Creative Commons Lizenz. Jeder darf es für nicht kommerzielle Zwecke kopieren, das Wissen nutzen und weiterentwickeln. Ja, es ist sogar ausdrücklich erwünscht, das E-Book an alle Freunde weiter zu schicken, denn die Welt braucht schnellstens eine Lösung, und der Inhalt dieses Buches kann maßgeblich zur Lösung der derzeitigen Probleme beitragen. Bestimmt gibt es noch Optimierungsbedarf, und gerade deshalb ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen davon wissen und zur Weiterentwicklung beitragen.

Auch auf allen anderen Gebieten muss die Forschung und Entwicklung frei werden. Es kann einfach nicht sein, dass Erfindungen und Entdeckungen, die der Menschheit dienen könnten, durch ein antiquiertes Patent- und Urheberrecht vor der Allgemeinheit weggesperrt werden, weil sie den Interessen einiger Unternehmen zuwiderlaufen. Deshalb empfehlen wir Open Source für alle Forschungsgebiete. Wir brauchen freie Forschung, freie Entwicklung, freies Denken und – freies Schenken...





Ähnlich wie die Freiheit ist auch das Thema »Schenken« bei uns sehr stark emotional belegt. Es gibt Dinge, die kann man nicht kaufen. Man bekommt sie geschenkt – oder auch nicht. Dazu gehören Liebe, Anerkennung, Vertrauen, Aufmerksamkeit, Dank..., also im wesentlichen die immateriellen Güter, die das Leben lebenswert machen. Doch auch materielle Dinge werden manchmal noch geschenkt. In allen Kulturen gibt es Schenk-Rituale und Schenk-Feste. Kinder setzen sich ganz selbstverständlich bei ihren Eltern an den Tisch, um gemeinsam mit ihnen zu essen. Und wenn Freunde einander einladen, gehört das gemeinsame Essen als Geste der Gastfreundschaft sehr oft mit dazu.



Kaum ein anderes volkswirtschaftliches Dogma richtet wohl mehr Unheil an, als der kleine unscheinbare Satz »There is no free lunch« (Es gibt kein kostenloses Mittagessen). Diese volkswirtschaftliche Grundannahme meint, dass alles seinen Preis habe. Damit ist alles auf dieser Welt zur käuflichen Ware geworden. Alles, was dem Menschen in seinem Innersten heilig ist, seine Sehnsüchte, sein Wunsch nach Liebe und Geborgenheit, sein Urvertrauen, seine Gastfreundschaft..., mutiert dadurch zu einem Marktplatz oder wird als naive Sozialromantik abgetan.

Der Satz »There is no free lunch« und die dahinter stehende Philosophie des Käuflichen hat schon viel Vertrauenspotenzial in uns zerstört. Inzwischen sind wir alle »gebrannte Kinder«. Hinter jedem Geschenk vermuten wir eine Absicht. – »Was will der andere von mir?« – »Welches Gegengeschenk erwartet er oder sie von mir?« – »Wie kann ich das wieder gutmachen?« – So oder so ähnlich lauten die Gedanken, die uns ganz automatisch durch den Kopf schießen. Es erscheint uns unangebracht, ein Geschenk »einfach so« anzunehmen. Und mal ehrlich: können wir noch ganz ohne Erwartung schenken? Erwarten nicht auch wir etwas zurückzubekommen?

Erwartungen können niemals im Hier und Jetzt befriedigt werden. Sie beziehen sich immer auf die Zukunft. Wenn wir etwas schenken in der Erwartung, später etwas zurück zu bekommen, entsteht dadurch ein Schuldverhältnis. Wir bringen den anderen in unsere Schuld, ganz gleich ob er sich dessen bewusst ist oder nicht. Der Satz »Ich schulde dir Dank« bringt es auf den Punkt. Sobald wir mit einer Erwartungshaltung schenken, haben wir uns dem Konzept von Schulden verschrieben. Und aus dem Konzept der Schulden folgt das System der Schuldgeldschöpfung.

Freies Schenken will genauso wiedererlernt sein wie bedingungslose Liebe. Auch Liebe ist heutzutage vielfach mit Erwartungen verbunden. Leider. Denn erst wenn wir unsere Erwartungen loslassen, können wir wahre Liebe erfahren. »There is no free lunch«, dieser kleine hinterhältige Satz macht aus jedem Geschenk einen Handel und aus Liebe Prostitution. Er hat mit dazu beigetragen, die Menschheit von ihrem wahren Wesen zu trennen und ihre wertvollsten Schätze auf einem globalen Basar zu Markte zu tragen.



Zuletzt bearbeitet am 12.11.12 09:14

07.09.12 00:17
dlaniar 

Administrator

Wie können wir das freie Schenken wieder lernen? Wie können wir uns aus den Verstrickungen der bewussten und unbewussten Erwartungen befreien? Wie können wir wieder unschuldig – schuldenfrei – werden? Wie immer hilft uns auch hier die Bionik, die Beobachtung der lebendigen Natur. Wir können das freie Schenken von denen abschauen, die es noch nicht verlernt haben: Tiere und kleine Kinder zeigen ganz offen ihre Bedürfnisse. Wir Erwachsenen nennen dies »betteln« und versuchen es ihnen abzuerziehen.

Doch was ist falsch daran, seine Bedürfnisse zu zeigen? Wäre unsere Kommunikation untereinander nicht viel einfacher, wenn wir ganz offen sagen würden, was wir uns wünschen, ohne beleidigt oder beschämt zu sein, wenn die anderen unsere Wünsche nicht erfüllen?

Doch Tiere und kleine Kinder zeigen nicht nur ganz offen ihre Bedürfnisse. Sie schenken uns auch ihre bedingungslose Liebe, ganz ohne Hintergedanken – zumindest, solange wir ihnen noch keine Erwartungshaltung antrainiert haben. Das Lächeln eines kleinen Kindes ist ein Geschenk für uns – einfach so. Das Kind ist noch nicht in der Lage zu denken: »wenn ich Mama jetzt ein Lächeln schenke, dann gibt sie mir zu essen«. Und es denkt sich auch nicht: »wenn Mama mir jetzt die Brust gibt, dann muss ich dafür aber nachher ganz brav sein und durchschlafen«.

Zum freien Schenken gehören also zwei Dinge: einerseits seine Bedürfnisse offen zu kommunizieren und andererseits freiwillig ohne Hintergedanken zu schenken, wenn einem danach ist. Je mehr wir die Qualität des freien Schenkens wiedererlernen, desto leichter fällt es uns, wahren Wohlstand für alle zu schaffen.

Wie kann freies Schenken in einer Gemeinschaft funktionieren? Lassen Sie mich dazu eine Geschichte erzählen...



Es war einmal ein kleines globales Dorf. Dort lebten allerlei geschickte Leute: Bauern, Müller, Bäcker, Metzger, Maurer, Zimmerleute, Lehrer, Heiler, Politiker und viele andere Berufe. Für jeden Bedarf gab es auch einen Beruf, der diesen Bedarf decken konnte. Die Natur beschenkte die Bewohner mit gutem Wetter. Regen und Sonnenschein wechselten sich ab, so dass alles gut wuchs und gedieh.

Eigentlich wäre es das Paradies auf Erden, gäbe es da nicht einen seltsamen Brauch, den vorwiegend die Politiker pflegten: sie liefen mit Töpfen herum und nötigten die anderen Bewohner, Geld hinein zu werfen. Es gab große Töpfe und kleine Töpfe, Haupttöpfe und Nebentöpfe, Töpfe ohne Deckel und gedeckelte Töpfe..., jeder Topf hatte seinen bestimmten Zweck.

Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen: es gab auch noch einen Berufsstand der sich »Bankster« nannte. So ganz genau wusste man nicht, was die eigentlich taten. Doch sie hatten zuvor den Politikern und den anderen Bewohnern das Geld geliehen, damit diese untereinander Handel treiben und vor allen die Töpfe der Politiker füllen konnten. Welch segensreicher Berufsstand! Ohne die Bankster hätten die Bewohner zwar alles herstellen können, was in dem kleinen globalen Dorf gebraucht wurde. Ja, sie hätten sogar einige Luxusgüter herstellen können, die zwar nicht unbedingt gebraucht würden, aber das Leben verschönern und Spaß machen. Aber wie hätten sie ihre Produkte verkaufen können ohne Geld? Dieses wahrhaft existenzielle Problem lösten ihnen die Bankster gerne, in dem sie ihnen Geld liehen.

Es war genial: auf einmal florierte der Handel. Jeder konnte seine Produkte verkaufen, und alle waren so glücklich, dass niemand auf die Idee kam zu fragen, woher denn die Bankster eigentlich das Geld hatten. Die Frage war auch nicht wirklich wichtig; denn es funktionierte alles bestens, und jeder andere Berufsstand hatte ja auch so seine Berufsgeheimnisse...

Einmal im Jahr forderten sie Zinsen von allen Bewohnern, die Geld von ihnen geliehen hatten, insbesondere von den Politikern, die diese willig aus ihren Töpfen bezahlten. Zunächst fiel das nicht auf, doch dann wurden die Schulden immer höher und die Töpfe immer leerer. Wir wissen nicht ganz genau, was die Bankster mit den vielen Zinsen machten. Vermutlich investierten sie diese in lukrative Wachstums-Märkte. Hin und wieder passierte es, dass sich einige Bankster verkalkulierten und drohten, Pleite zu gehen. Die Politiker unternahmen alles, um sie zu retten – bis dann eines Tages alle Töpfe leer waren. Der Oberpolitiker mottete die kleineren Töpfe ein, nahm den »Staatstopf«, der auch leer war, unter den Arm und rief alle Repräsentanten der Bewohner an einen runden Tisch.

„Der Topf ist leer“, sprach der Oberpolitiker, „wir müssen den Gürtel enger schnallen. Wir haben viel zu lange über unsere Verhältnisse gelebt. Anstatt pflichtbewusst alle unsere Zinsen an die Bankster zu bezahlen, haben wir Straßen gebaut, kranke und alte Menschen versorgt, unsere Kinder in die Schule geschickt und viele andere unproduktiven Dinge finanziert. Damit muss jetzt Schluss sein. Denn der Topf ist leer.“

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