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Was ein Kind braucht
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03.10.12 23:08
dlaniar 

Administrator

Was ein Kind braucht

Denkanstoß Nr. 31 überreicht durch:
Projekt Eine andere Welt – wie denn?
Ein anders Kassel - wie denn?
Saatkorn in der weltweiten 99-%-Bewegung
Treffen: In der Regel jeden 1. Samstag im Monat
Zeit: 9.30 bis 12.30 Uhr Ort: Querallee 40, Kassel

Was ein Kind braucht

Wenn ein Kind geboren ist,
braucht es eine Wohnung.
Kleider, eine Spielzeugkist,
Bonbons als Belohung.
Murmeln und ein eignes Bett,
einen Kindergarten,
Bücher und ein Schaukelbrett,
Tiere aller Arten.
Wälder, Wiesen, eine Stadt,
Sommer, Regen, Winter,
Flieger, Schiffe und ein Rad,
viele andre Kinder,
einen Mann, der Arbeit hat,
eine kluge Mutter,
Länder, wo es Frieden hat,
und auch Brot und Butter.
Wenn ein Kind nichts davon hat,
kann's nicht menschlich werden.
Dass ein Kind das alles hat,
sind wir auf der Erden. (1971)

"Lieber ein Bettler als ungebildet sein:
dem Bettler fehlt es an Geld,
dem Ungebildeten aber an Humanität.".

Das Gedicht von Peter Maiwald (* 1946) und der Satz des griechischen Philosophen
Aristipp (um 435-366) geben einen Maßstab. Er erlaubt, unser derzeitiges
Bildungssystem auf den Prüfstand zu stellen.

Nach wie vor herrscht Dreigliedrigkeit im Schulwesen vor. An allzu wenigen Schulen wird
gemeinsames, kooperatives Lernen geübt.
Nach wie vor spiegelt Schule Verhältnisse in der Gesellschaft wider: Junge Menschen werden
in Konkurrenz zueinander gehetzt. Damit sie später "im Leben" Ellenbogen und Herzenskälte walten lassen.

Wie es anders geht, haben wir in unseren Denkanstößen 9 und 22 aufgeschrieben.
Sie sind unter www.pachizefalos.de/forum/index.php nachzulesen.

Dieser Denkanstoß lädt alle Interessierten und mit Bildung befassten Mitmenschen
– Lernende, Lehrende, Eltern und Großeltern – ein,
sich mit uns gemeinsam Gedanken zu machen, wie Einfluss genommen werden kann
auf Bildungseinrichtungen aller Art. Wir wissen: Viele Lehrende leiden an den Verhältnissen,
gehen vorzeitig in Pension, werden krank, fühlen sich als Versager.
Das ist kein Schicksal. Das lässt sich ändern.

Zuletzt bearbeitet am 07.10.12 16:48

03.10.12 23:34
dlaniar 

Administrator

Re: Was ein Kind braucht

das Gedicht von Peter Maiwald hat eine Schlagseite zum Materiellen.

Kinder bei einigen indigenen Völkern, wachsen emotional und psychisch wesentlich gesünder auf als unsere Kinder, ohne Bonbons und Spielzeug. Die psychische Gesundheit wird deutlich an der außergewöhnlichen Offenheit und Freundlichkeit mit der sie Fremden gegenüber auftreten können und auch an ihrer Selbstsicherheit.

Süßigkeiten als Belohnung brauchen sie schon gar nicht. Im ersten Lebensjahr haben diese Kinder viel mehr Körperkontakt und viel mehr Möglichkeit, den Bezugspersonen in die Augen zu schauen und entwickeln dabei eine Feinfühligkeit für zwischenmenschliche Interaktionen, wie sie bei uns ganz selten ist. Schelten oder gar Schlagen und andere Demütigungen sind ihnen fremd.

Die essentiellen Bedürfnisse von Kindern sind anders als es in dem Gedicht ausgedrückt wird:

Gewissheiten
(nach Anregungen von Jürgen Gündel)

Was wir als Säuglinge brauchen, um später in dieser Welt gut leben zu können.

Wir brauchen:


    Die Gewissheit, willkommen zu sein, leben zu dürfen, da sein zu dürfen.

    Die Gewissheit, dass wir als Junge oder Mädchen willkommen sind, mit anderen Worten, dass wir willkommen sind, so wie wir sind.

    Die Gewissheit, dass wir unsere Körperreaktionen spüren dürfen, z.B. wenn wir hungrig oder müde oder zärtlichkeitsbedürftig sind,

    und die Gewissheit, dass wir das auch ausdrücken und mitteilen dürfen.

    und die Gewissheit, dass akzeptiert wird, dass wir es am besten selbst wissen, wann wir diese Bedürfnisse spüren.

    Die Gewissheit, dass unsere Gefühlsäußerungen verstanden werden.

    Die Gewissheit, dass wir alle unsere Gefühle spüren und ausdrücken dürfen, z.B., wenn wir wütend, traurig, ängstlich, freudig
    oder voller Liebe sind, und dass nicht bestimmte Gefühle unerwünscht sind.

    Die Gewissheit, dass die Menschen in meiner nächsten Umgebung aufrichtig sind.

    Die Gewissheit, dass wir wichtig sind.

    Die Gewissheit, dass es in Ordnung ist, wenn wir anderen Menschen körperlich oder seelisch nahe sind, und dass wir Nähe bekommen, so viel wie wir es brauchen.

    Die Gewissheit, dass es in Ordnung ist, gesund an Körper und Geist zu sein.

    Die Gewissheit, dass wir so alt sein dürfen, wie wir sind, dass wir also nicht zu früh erwachsen werden müssen, weil wir z.B.
    für jüngere Geschwister die Elternrolle übernehmen sollen, aber auch, dass wir nicht für die Familie klein und unselbständig
    bleiben müssen.

    Die Gewissheit, dass es in Ordnung ist, wenn wir Dinge erfolgreich zu Ende bringen und das schaffen, was wir uns vorgenommen
    oder gewünscht haben.

    Die Gewissheit, dass wir als Person respektiert werden von Anfang an.

    Die Gewissheit, dass uns zugetraut wird, dass wir uns ganz normal entwickeln. (und einige Gewissheiten mehr)



Viele Defizite im Erwachsenenleben in Bezug auf unsere Gesundheit, unser Selbstwertgefühl, unsere Anerkennung in Beruf und im persönlichen Umfeld lassen sich ableiten aus dem, welche Bedingungen wir vorgefunden haben in den ersten 1000 Tagen.

Für Menschen, die unzufrieden sind über ihre Situation, habe ich diese Punkte als Tabelle erstellt, die man hier herunterladen kann. Mit Hilfe dieser Tabelle kann man die eigenen Defizite etwas verdeutlichen.

http://www.pachizefalos.de/Gewissheiten-...Guendel-R-I.pdf

Zuletzt bearbeitet am 04.10.12 12:00

04.10.12 00:03
dlaniar 

Administrator

Re: Was ein Kind braucht

Maurice J. Elias und Roger P. Weissberg * gehen davon aus, dass zur Prävention von Gewalt, Sucht, Depression und anderen unerwünschten Entwicklungen zunächst die soziale Kompetenz verbessert werden muss.

Als wichtigste Fähigkeiten (key skills), die Kinder brauchen, um erfolgreich Schule zu durchlaufen und ihren Weg im Leben zu gehen, haben sie folgende fünf Kompetenzen genannt:


    Die Überzeugung, fähig zu sein, die eigenen Probleme zu lösen.

    Die Selbstkontrolle und die soziale Kompetenz um in einer Gruppe oder der Situation in einem Klassenzimmer agieren zu können.

    Die Fähigkeit, Gefühle bei sich selbst und anderen wahrzunehmen und sich ihrer bewusst zu sein und sie ausdrücken zu können.

    Die Fähigkeit, unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten von Problemen zu entwickeln und deren Konsequenzen abzuschätzen.

    Die Fähigkeit, realistische Pläne zu entwickeln und auszuführen und dabei Erfahrungen aus der Vergangenheit zu integrieren.




* ”School-Based Social Competence Promotion as a Primary Prevention Strategy: A Tale of Two Projects”, (The Haworth Press, Binghamton 1990)


Anhand dieser key-skills entwickelten sie das folgende 8-Punkte-Programm, das sie den Schülern an die Hand gaben zur Lösung persönlicher und zwischenmenschlicher Probleme.



Als ich diese Texte das erste Mal gelesen hatte, dachte ich: "Wie, das soll schon alles sein?"

Aber da stand auch, dass zur Überprüfung der Wirksamkeit nach sechs Jahren dieser Arbeit in der Schule ermittelt wurde, wie hoch ein Jahr nach Schulentlassung der Prozentsatz der straffällig gewordenen jungen Männer und wie hoch der Prozentsatz der schwanger gewordenen jungen Frauen war. Beide Prozentsätze waren signifikant niedriger als an vergleichbaren anderen Schulen.

Das stimmte mich nachdenklich. Ja, junge Männer, die nicht straffällig werden und junge Frauen, die nicht schwanger werden, haben bestimmt besser gelernt, für sich zu sorgen, mehr bei sich selbst zu sein.

Und dann schaute ich mir diese acht Schritte noch einmal genauer an und begriff, dass es viel verändert, wenn ich lerne, selbst mit meinen Problemen so umzugehen.

Und ich begriff auch, dass bei jeder Art pädagogischer Aktivität eine Orientierung an den "key skills" für alle Beteiligten sehr sinnvoll sein kann.

Diese acht Schritte können noch erfolgreicher angewendet werden, wenn die Prinzipien der Gewaltfreien Kommunikation bekannt sind und versucht wird, diese anzuwenden.


http://www.pachizefalos.de/Gewaltfreie-Kommunikation.htm

Zuletzt bearbeitet am 04.10.12 12:02

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