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Vorfuß-Gang
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13.08.13 20:38
dlaniar 

Administrator

Vorfuß-Gang

Vor zwei Jahren sagte Lisa zu uns: Schaut euch doch das mal an: Godo.

Gesagt, getan. Wir schauten uns Filme an mit Dr. Greb, kauften uns sein Buch und ich kaufte mir Barfußschuhe.



Die Grundgedanken überzeugen: Der Trend bei unserer Verwandtschaft im Reich der Säugetiere geht zum Ausnützen der gesamten Länge des Beins bis hin zum Zehenspitzengang bei Huftieren. Und wenn wir barfuß gehen, tritt kaum jemand mit der Ferse zuerst auf. Bei Naturvölkern, die barfuß laufen, sehen wir nur Vorfußgang. Der Fuß tritt zuerst auf mit dem vorderen Teil.

Und was mich ganz besonders überzeugte, war die Aussage, dass beim Auftreten auf die Ferse bei jedem Schritt ein Stoß durch den gesamten Körper geht, den man spüren kann bis zu Kopf hoch die ganze Wirbelsäule entlang. Ja, das kann man ausprobieren.

Wenn ich dagegen mit dem Vorfuß auftrete, wird das Gewicht des Körpers abgefedert von den Muskeln des Fußes. Der Gang wird weicher.

Also fing ich an mit 67 Jahren das Laufen neu zu lernen. Beim Tanzen geht es leichter als beim Gehen auf der Straße. Beim Laufen auf so steinigem Gelände wie oben auf dem Foto kommt Freude auf, wenn man durch die dünnen Sohlen kaum gehindert wird am Spüren und sich anpassen muss und kann an alle Unebenheiten und Kanten, und trotzdem durch die extrem zähen Sohlen vor Verletzungen geschützt ist. Weil meine Lebensgefährtin aus anderen Gründen noch nicht wieder längere Wege gehen kann und ich nicht alleine gehen wollte, bin ich lauffaul geworden. Wege von mehr als einem Kilometer gehe ich selten. Und trotzdem hat sich die Umstellung gelohnt.

Das Gehen mit den Zehenschuhen hat bei mir noch einen anderen Sinn. Halux rigidus und Fehlstellung der beiden äußeren Zehen. Der kleine Zeh hat die Tendenz, unter den Nachbarn zu rutschen. Vor 12 Jahren ging ich wegen der Verdickung der Grundgelenke der Großzehen zum Orthopäden. der verschrieb mir Einlagen und sagte mir: "In 10 Jahren muss ich operieren"

Die Einlagen habe ich nicht anfertigen lassen und deshalb nie getragen. Als ich voriges Jahr wieder bei dem Doktor war, rief er beim Vergleich mit den alten Röntgenbildern ganz erstaunt: Oh, das sieht ja gut aus.

Was war geschehen? Ich hatte 10 Jahre lang immer wieder mit meinen Füßen gespielt wie ein kleines Kind. So wie ich es auch jetzt beim Schreiben in den Pausen mache, dass ich in den Pantoffeln ganz bewusst die Zehen bewege, dass ich Schuhe und Socken ausziehe, die Füße in die Hand nehme, mit den Fingern mit den Zehen spiele, den kleinen Zeh, der eine Tendenz zur Hammerzehe hat, gerade biege, weil er das aus eigener Kraft nicht kann. . . Und ich habe mir irgendwann Zehenspreizer besorgt, die ich zuerst nur kurze Zeit aber bald immer wieder mal auch über mehrere Stunden beim Schlafen getragen habe.



Ich habe das nicht einmal täglich gemacht. Manchmal wochenlang überhaupt nicht und trotzdem hat es gereicht, dass der Doktor den Unterschied sofort gesehen hat. Mittlerweile kann ich die Zehen schon fast mit eigener Kraft spreizen.



Und so ist es mir inzwischen beim Anziehen der Zehenschuhe möglich, dass ich ohne Hilfe der Hände mit den Zehen in die einzelnen Unterteilungen hineinschlüpfe.

Unabhängig davon, ob ich nun den Vorfußgang übe oder anders die Aufmerksamkeit viel mehr auf das Gehen lenke und dieses bewusst wahrnehme, verändert sich der Gang. Ich hatte das Glück, in der Zeit auch das sehr liebevoll geschriebene Buch von Robert Schleip in die Hände und zum Lesen zu bekommen: Der aufrechte Mensch, ISBN 9783517085388

Das hat neben dem weicheren Auftreten beim Vorfußgang sicher wesentlich dazu beigetragen, dass meine Rückenbeschwerden, besonders in der Lendenwirbelsäule, deutlich seltener geworden sind und nur noch gelegentlich ganz gelinde auftreten.

Zuletzt bearbeitet am 14.08.13 01:21

13.08.13 23:26
dlaniar 

Administrator

Re: Vorfuß-Gang

Das Buch von Peter Greb: "GODO - Mit dem Herzen gehen" möchte ich nur mit Einschränkungen empfehlen.

Vor 2 Jahren habe ich das Buch verärgert zur Seite gelegt, weil dieser Autor nur seine Erkenntnis sieht. Im vorderen Teil des Buches, den ich wirklich gut finde, vergleicht er Ballengang und Fersengang und erklärt wirklich gut, welchen Unterschied es ausmacht, ob ich beim Gehen mit der Ferse zuerst auftrete wie beim wütenden Stampfen oder ob ich tastend den Vorfuß zuerst aufsetze, weich und federnd.

In diese Unterschiede legt er aber mehr Bedeutung, als ihnen zukommt, weil er alle anderen Faktoren unberücksichtigt lässt. Die Bedeutung verschiedener Erziehungsstile kommt bei ihm nicht vor. Von den katastrophalen Auswirkungen von frühen Bestrafungen und Dressurübungen zur Reinlichkeitserziehung schreibt er nichts. Von der Gefühlskälte und Vernachlässigung von Kindern ist nicht die Rede. Dass die Kommunikationsfähigkeit und Empathie bei uns gar nicht als Erziehungsziel genannt wurden und daher bei weiten Teilen der Bevölkerung bis hin zu den Spitzenleuten in Wirtschaft, Medien und Politik oft ein erheblicher Mangel an Einfühlungsvermögen und Fähigkeit zum Glücklichsein herrscht, wird mit keiner Silbe erwähnt. Dass Konkurrenzverhalten und die verbreitete Flucht in irgenwelche Süchte weniger vom Gang abhängt als an den wirtschaftlichen Verhältnissen, kommt dem Autor an keiner Stelle in den Sinn.

Anstatt seine Erkenntnisse in den Zusammenhang von vielen Faktoren zu stellen, überstrapaziert er sein Erklärungsmodell, indem er alles nur darauf zurückführen möchte.

Das ist sehr schade. Denn die von ihm empfohlene Umstellung bringt wirklich viele Vorteile, wie ich in dem vorigen Beitrag von mir berichtete. Ich bin sicher, dass andere weitere positive Folgen von dem Vorfußgehen berichten könnten. Und ich bin ganz sicher, dass ich nicht zurückkehren möchte zum Hackengang. Ich habe kaum noch andere Schuhe als die sogenanten Barfußschuhe mit dünner Sohle und ohne jeglichen Absatz. Und ich kann allen Menschen empfehlen, für sich selbst heraus zu finden, was eine solche Umstellung des Gehens bring. Und dazu kann ich auch zu der Lektüre des Buchs von Peter Greb raten und/oder zum Anschauen seiner Filme und der Internetseite.




Zuletzt bearbeitet am 14.08.13 17:07

14.08.13 08:08
dlaniar 

Administrator

Re: Vorfuß-Gang

Bezeichnend ist das Titelbild. Da sind lauter rechte Vorfußabdrücke drauf, so als wären viele geklonte Menschen in militärischer Formation auf dem rechten Bein gehüpft. Wahrlich keine Alternative zu dem von Greb verteufelten Hackengang!



Als Beispiel, wie richtige Beobachtungen und anschauliche Vergleiche in dem Buch überinterpretiert werden, füge ich hier ein Zitat ein von Seite 84

Peter Greb:
Der Hackenstoß, der uns pro Schritt etwa 50 Kilo an Übergewicht simuliert, summiert sich innerhalb eines 80-jährigen Lebens auf das Gewicht der großen Pyramide von Gizeh, welche wir, wie der berühmte Atlas persönlich, auf unseren Schultern bzw. in unserem Bindegewebe abgespeichert tragen. Dieses Gewicht wird in uns zu einer Art Gestalt, die ich als den Geh-Wicht bezeichnen möchte. Übrigens ist der berühmte »Teufel« tatsächlich nichts anderes als eine bindegewebige Echogestalt, die aus dem Hackenstoß in uns entsteht. Unter zusätzlichem Stress projizieren wir diesen »Teufel« auf unsere Mitmenschen oder wir malen ihn, wie man so sagt, an die Wand. In Wirklichkeit ist das der harte Kern unseres Egos und unseres Über-Ichs und damit des so schwer zu verwaltenden Masseproblems.

Man fragt sich da, ob solche dogmatischen Behauptungen "Übrigens ist der berühmte »Teufel« tatsächlich nichts anderes als eine bindegewebige Echogestalt, die aus dem Hackenstoß in uns entsteht." wirklich nur das Machwerk eines übersteigerten Egos sind und Lektoren und Verleger keine Chance bekamen, solche hanebüchene Behauptungen zu relativieren und am besten herauszunehmen, oder ob sie sich derart vor den Kopf gestoßen fühlten, dass sie sich "gerächt" haben in dem sie solches haben durchgehen lassen.

Ich finde das wirklich schade, denn ich kann nur noch einmal wiederholen: Ich halte die Umsetzung der Grund-Gedanken von Greb für dringend wünschenswert. Der Beitrag zur allgemeinen Gesundung wäre wohl gigantisch, besonders dann, wenn die von Greb geforderte Sensibilisierung sich selbst gegenüber vermutlich auch Auswirkungen auf den Umgang miteinander bekommt und hilflos ignorantes Verhalten und Gewalt und Übergriffigkeit kleinen Kindern gegenüber immer seltener wird.

15.08.13 19:23
dlaniar 

Administrator

Re: Vorfuß-Gang





Und so "erzogene" Menschen werden bereit sein, sich in Kriege schicken zu lassen, gegen diejenigen, die es wagen, anders zu denken.

Ich vermute nur, dass weder Dschihadisten noch bei uns rechte oder linke Ultras fähig und bereit sind, diese Zusammenhänge zu akzeptieren für die eigene Wut im Bauch, die sie ausleben im Kampf gegen irgend welche Sündenböcke

Und wahrscheinlich hat Herr Greb sogar Recht, wenn er all die anderen Faktoren außer Acht lässt, um den Menschen, die geradezu besessen sind von der eigenen Agressivität, ganz einfach vorzuleben, dass es viel angenehmer ist, achtsam zu sein, sich selbst gegenüber, dem eigenen Gehen, und natürlich auch anderen gegenüber. Jetzt, wo die Neurobiologen das menschliche Gehirn immer besser kennenlernen und herausgefunden haben und immer weiter herausfinden, dass die herausragende Besonderheit des menschlichen Gehirns seine Fähigkeit zur Empathie ist, gilt es, sich diese Fähigkeiten des sozialen Hirns voll zu erschließen, die durch falsch verstandene Erziehung in Elternhäusern und Schule nicht ausreichend gefördert wurden und die durch unsere Medien eher verblödet werden.

Nur befürchte ich, dass sein Verhalten nicht von diesem Wunsch des friedlichen Vorlebens bestimmt ist, sondern von seiner Idee, berühmt zu werden, weil er allein dies heraus gefunden hätte. Nur so kann ich mir erklären, dass er sich den Begriff GODO als Gebrauchsmuster hat schützen lassen und das R mit dem Kreis herum auf der Titelseite seines Buchs hinter den Schriftzug setzen lässt:
GODO ®.


Zuletzt bearbeitet am 16.04.14 15:05

15.08.13 19:43
dlaniar 

Administrator

Re: Vorfuß-Gang

Inzwischen habe ich in den Rezensionen zu dem Buch von Peter Greb bei amazon gestöbert und war berührt von mehreren Beiträgen dort, in denen berichtet wird, als wie angenehm die Gegenwart dieses Mannes von den jeweiligen Schreibern wahrgenommen wurde.

Könnte es vielleicht bei ihm so ähnlich sein wie bei anderen religösen Menschen, die über ihren Glauben zu einer warmen Menschlichkeit gefunden haben, egal wie unwahrscheinlich eigentlich das ist, woran sie glauben ?

Ich kenne diesen Menschen nicht und weiß nicht, wie tolerant und empathisch er wirklich ist.

Und ich ertappe mich selbst dabei, dass ich in meiner Empörung über die Einseitigkeit der Erklärungsmuster selbst unnötig aggressiv werde.

Und da wird mir plötzlich bewusst, dass ich durch das und wie ich es in den vorigen Beiträgen geschrieben habe, bei facebook einen shitstorm ausgelöst haben könnte . . .

Zuletzt bearbeitet am 15.08.13 19:46

23.09.13 17:55
dlaniar 

Administrator

Re: Vorfuß-Gang

Zum Vorfuß-Gang habe ich eben einen guten Link geschickt bekommen, den ich hier weitergebe. Danke Sven!

http://ballengang.de/

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