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"Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren" - diese Forderung ist für ein Kind, das ganz natürlich aufgewachsen ist - mit allem Respekt, der ihm als Mensch zukommt - so absurd und überflüssig als würde jemand zu ihm sagen. "Du solltest schlafen gehen, wenn du müde bist!"
Es ist für einen solchen Menschen, der es gewohnt ist, dass ihm die gebührende Achtung entgegen gebracht wird, eine solche Selbstverständlichkeit andere Menschen zu achten, dass es ihm abwegig erscheinen muss, ein solches Gebot auszusprechen. Kinder haben sogar dann die Tendenz, die Eltern zu achten, wenn diese das - zumindest in dem Maß - überhaupt nicht verdient haben.
Eine Ehrung über das normale Maße von Achtung und Respekt hinaus ist ohnehin suspekt.
Natürlich
wird ein junger Mensch, der so aufwächst, die Menschen achten, die seine Gefühle wahrnehmen und
respektieren - auch seinen Zorn und seine Wut. Und ganz besonders wird
es Menschen achten, die ihm vorleben, dass alle Gefühle
natürlich und daher selbstverständlich erlaubt sind, aber
dass kein Gefühl von einem anderen Menschen erzeugt wird, und
daher niemals ein anderer für das eigene Gefühl
verantwortlich gemacht werden kann. Und die ihm vorleben dass es ganz
und gar verrückt ist, Rache und Vergeltung zu üben, um mit
den eigenen Gefühlen wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
(
Menschen, die so leben, beschreibt Jean Liedloff in ihrem Buch: "Auf
der Suche nach dem verlorenen Glück", aber auch die Inuit und einige andere Naturvölker haben so ähnlich gelebt.)
Aber das war offensichtlich in den Zeiten des Alten Testaments überhaupt nicht selbstverständlich. Große Teile des Alten Testaments berichten von Kriegen und Greueltaten, bei denen eigenlich immer ein Teil verantwortlich gemacht wird für den Zorn des anderen und selbst der Gott wird dargestellt als ein rachsüchtiges Wesen, das seiner Gefühle nicht mächtig ist und zornig wird, w e i l Menschen dies oder jenes tun oder nicht tun. Die Menschen werden verantwortlich gemacht für die Gefühle ihres Gottes und alle Menschen leben in einer solchen Angst vor dem Zorn Gottes, dass sie Kriege anzetteln gegen diejenigen, die nicht an ihren Gott glauben, weil sie hoffen, diesen dadurch für sie selbst gnädig zu stimmen...
Kinder wurden in dieser Zeit als Besitz angesehen, so wie die Eltern Eigentum des Feudalherren waren.
Deutlich wird das z. B. an diesem Bibelzitat: 2. Buch Mose, Kapitel 21
7Verkauft jemand seine Tochter als Sklavin, so darf sie nicht freigelassen werden wie die Sklaven. 8Hat ihr Herr sie für sich genommen und sie gefällt ihm nicht, so soll er sie auslösen lassen. Er hat aber nicht Macht, sie unter ein fremdes Volk zu verkaufen, nachdem er sie verschmäht hat. 9Hat er sie aber für seinen Sohn bestimmt, so soll er nach dem Recht der Töchter an ihr tun. 10Nimmt er sich aber noch eine andere, so soll er der ersten an Nahrung, Kleidung und ehelichem Recht nichts abbrechen. 11Erfüllt er an ihr diese drei Pflichten nicht, so soll sie umsonst freigelassen werden, ohne Lösegeld.
Eltern durften ihre Kinder als Sklaven verkaufen.
Tötung von Neugeborenen war nicht strafbar. (wer dazu mehr wissen möchte findet Information dazu in dem Buch "Hört ihr die Kinder weinen" Hrsg. Lloyd de Mousse, Suhrkamp Taschenbuch > Amazon-Seite zu diesem Buch )
Ein Gebot: "Du sollst Deinen Vater und deine Mutter ehren" konnte
und musste nur erlassen werden, wenn ein Groll häufig und durchaus berechtigt
war und daher auch die Angst, dieser Zorn der Kinder könnte
ausagiert werden mit tätlicher Bedrohung der Eltern. Durchzusetzen
war dann ein solches Gebot aber nur mit der Drohung
"Damit es dir gut gehe und du lange lebest auf Erden" denn diese Drohung wurde wurde verbunden mit der Angst
vor der Strafe Gottes, die angeblich bei Mißachtung des Gebots
drohte.
Vieles ist inzwischen besser geworden - aber wirklich nicht alles.
In unserer Zeit erleben wir, dass es zwar gesetzlich festgelegt ist, dass gleiches Recht für (fast) alle gilt, dass aber in den Familien Eltern sich schwer tun, das in die Tat umzusetzen, weil sie es als Kinder nicht selbst erlebt haben.
Sprüche wie: